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Schutz von Magerrasenbiotopen

Verfasst von am 10. Februar 2022

 In den nächsten Wochen wird durch ein Forstunternehmen eine Gehölzpflegemaßnahme im flächenhaften Naturdenkmal „Löcherwiesen“ stattfinden. Durch die zunehmende Beschattung wird der auf der Fläche vorkommende bodensaure Magerrasen verdrängt. Zum Schutz und zur Förderung dieses sogenannten Borstgrasrasens (benannt nach dem für ihn charakteristischen Borstgras – Nardus stricta) wird der Baumbestand ausgelichtet.

Der Verein „Landschaftserhaltungsverband Landkreis Göppingen“ hat gemeinsam mit dem Umweltbeauftragten der Stadt Göppingen, dem Forstunternehmen sowie dem Bewirtschafter der Fläche in einer Vor-Ort-Besprechung die durchzuführenden Maßnahmen festgelegt: Einige Bäume müssen entfernt werden, zusätzlich wird der sich stark ausbreitende Brombeerbewuchs zurückgedrängt. Die Arbeiten finden noch vor Beginn der Vegetationszeit statt, um die Pflanzen- und Tierwelt des Magerrasens zu schonen. In den nächsten Jahren sollen die Brombeeren durch zusätzliche Pflegeeingriffe weiter verringert werden. Finanziert wird die Landschaftspflege über das Förderinstrument der Landschaftspflegerichtlinie des Landes.

Schutz von Magerrasenbiotopen (Foto: Foto: LEV/Klink)

Vielfach stoßen Baumfällungen auf Unverständnis in der Bevölkerung. Doch der gesetzlich geschützte Magerrasen ist durch die extensive Beweidung über Jahrhunderte hinweg durch den menschlichen Einfluss entstanden, zu dem die Nutzung von Gehölzen immer dazugehörte. Ohne diese hätten die Magerrasen nie ihren heutigen biologischen, kulturhistorischen und landschaftlichen Wert erreicht. Solche Biotope sind gekennzeichnet durch licht- und wärmeliebende Pflanzenarten in Kombination mit den auf diese Bedingungen spezialisierten Insekten und weiteren Kleintieren. Aufgrund des Baumbestandes an den Löcherwiesen wird der Borstgrasrasen jedoch stark beschattet, wodurch sich Brombeergewächse verstärkt ausbreiten und die Offenlandfläche dort überwuchern. Zusätzlich kommt es durch das Laub zu einem hohen Nährstoffeintrag, welcher den Ansprüchen des Magerrasens entgegensteht, der, wie schon aus der Benennung abgeleitet werden kann, an nährstoffarme Standorte gebunden ist. Borstgrasrasen wachsen auf Böden, die aus saurem Ausgangsgestein entstanden sind. Sie haben daher in Baden-Württemberg ihren Hauptverbreitungsschwerpunkt im Schwarzwald und sind eher selten im Bereich der kalkreichen Schwäbischen Alb zu finden. Verantwortlich für die Bildung der entsprechenden Wuchsbedingungen bei Hohrein ist eine geologische Formation mit Sandsteinanteilen, die sich in einem schmalen Band vom Hohenstaufen bis in den Nachbarlandkreis über Rechberg und Stuifen zieht. Südausläufer dieser Formation reichen bis nach Salach und Donzdorf, weshalb auch hier in geringem Umfang bodensaure Magerrasen vorkommen. In Baden-Württemberg sind Borstgrasrasen als stark gefährdeter Biotoptyp eingestuft. Im Sinne des Naturschutzes gilt es, diesen zu erhalten. Zu diesem Schutz gehört eine regelmäßige Pflege, ohne die der Magerrasen und damit auch die besondere Tier- und Pflanzenwelt langsam verschwinden würde.

Noch vor einigen Jahren konnte im flächenhaften Naturdenkmal „Löcherwiesen“ die Herbst-Drehwurz (Spiranthes spiralis) festgestellt werden. Vermutlich haben der zunehmende Brombeerbewuchs und die Beschattung jedoch zum Verlust der Art geführt. Die heimische Orchidee ist stark gefährdet und bereits auch in vielen anderen Teilen des Landes verschwunden. Durch Pflegeeingriffe wird versucht, die Bedingungen für solche seltenen Arten und hochwertige Biotope zu verbessern, um die biologische Vielfalt zu erhalten.

 

(Quelle: Stadt Göppingen)