Aktueller Song

Titel

Künstler

laufende Sendung

Fipsmix

06:00 10:00


Keine telefonische Krankschreibung mehr bei leichten Atemwegsproblemen

Verfasst von am 19. April 2020

Lesezeit ca. 3 Minuten

Ende der telefonischen Krankschreibung

Seit mehreren Wochen durchläuft die Bundesregierung einen gewaltigen Stresstest. Dieser wurde bisher sehr gut gemeistert. Das Gesundheitsmanagement war vorbildhaft, die Soforthilfen kamen in den meisten Fällen auf den richtigen Konten an, die Einschränkungen im täglichen Leben zeigten Wirkung. Die „andere“ K-Frage ist zur Zeit tabu, aber schwingt irgendwie mit. Es ist wichtig die normale Arbeit bald wieder aufzunehmen, um einen noch größeren wirtschaftlichen Schaden zu vermeiden. 

Die Corona-Krise läßt allerdings nur eine geringe Lockerung der Maßnahmen zu. In der Regierung ist man sich nahezu einig: Geschäfte bis max. 800 Quadratmeter dürfen öffnen und zum Beispiel Friseure bleiben geschlossen. Die Maßnahmen sind inzwischen weitgehend bekannt und wer nicht artig ist und erwischt wird bekommt eine Strafe. 

Im Nachbarland Frankreich hat die Zahl der Virustoten die 19.000er Marke überschritten, wohingegen in Deutschland insgesamt eine leichte Entspannung erkennbar ist. Das Robert-Koch-Institut meldet am 19.04. rund 140.000 Fälle, also „nur noch“ 2458 mehr als am Vortag. Bundeskanzlerin Angela Merkel spricht von einem zerbrechlichen Zwischenerfolg.

Während in vielen Kommunen seit Wochen über eine Maskenpflicht debattiert wird, haben andere längst gehandelt. Sulz am Neckar führte als erste Stadt in Baden-Württemberg die Maskenpflicht ein, Kirchheim unter Teck möchte am Montag (20.04.2020) nachziehen. 

In Deutschland wird moniert, daß es für erkranktes medizinisches Fachpersonal kein zentrales Melderegister gibt. Laut RKI sind in Deutschland über 6400 Ärzte und Pflegekräfte erkrankt und 8 gestorben. Innerhalb von zwei Wochen habe sich die Zahl von infiziertem medizinischen Fachpersonal verdreifacht. Baden-Württemberg ist das Bundesland mit den meisten Infizierten dieser Berufsgruppe. 1.200 Fachkräfte waren am 16.04. laut einem Bericht der ARD infiziert. Nahezu zeitgleich wird aber das Ende der telefonischen Krankschreibung verkündet. Ein Salto mortale der Logik?

Der Gemeinsame Bundesausschuss besteht aus der Kassenärtzlichen Bundesvereinigung, der Deutschen Krankenhausgesellschaft, sowie Krankenkassen und ist für das Ende der Sonderregelung verantwortlich. So wurde es nun mehrheitlich beschlossen. Allerdings halten Ärzte und Verbraucherschützer, sowie zahlreiche Politiker dagegen. Bayerns Staatsministerin für Gesundheit und Pflege Melanie Huml spricht von einem verfrühten Schritt. Der Vize-Vorstand der Kassenärztlichen Bundesvereinigung sprach sich für eine Verlängerung der Sonderregel bis 03. Mai aus. Was denn nun?

Personen mit leichten Atemwegsproblemen sollen also ab sofort wieder in Arztpraxen vorstellig werden, so sie denn eine Krankschreibung benötigen. Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände zeigt sich erfreut. Ein Schelm wer Böses dabei denkt. 

Nahezu täglich wird erläutert, daß man zu wenig über das Virus weiß, einen Impfstoff gibt es nicht, lediglich die Aussicht darauf; was so manchen Aktienkurs ankurbelt. 

Fazit: Entweder man vermeidet den Weg zum Arzt aus Angst sich zu infizieren und läuft Gefahr bei einem milden Verlauf des Viruses dieses weiterzugeben, oder man geht zum Arzt, um sich dort mit Menschen zu treffen, welche noch nichts von ihrer Diagnose wissen. Ein Haifischbecken, aber natürlich mit dem richtigen Abstand – zu diesem Zeitpunkt noch ohne Maske. 

Man sollte unterstellen, daß jeder verantwortungsbewusst mit der Möglichkeit einer telefonischen Krankschreibung umgeht. Am Ende des Tages trifft es die ehrlichen und unsicheren Menschen. Wie zerbrechlich ist also der Zwischenerfolg wirklich, wenn in Zeiten von Kurzarbeit, staatlich verordnetem Stillstand, einer Pandemie und damit verbundenen Schwierigkeiten wie es sie in dieser Form seit Ende des zweiten Weltkriegs nicht mehr gab, diesem Thema solch eine Priorität eingeräumt wird?