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IG BAU warnt: Dem Bau im Kreis Göppingen droht ein Streik und ein „Wegrutschen von Fachkräften“

Verfasst von am 28. April 2024

Bau-Tarifstreit: Heimische Bauunternehmen sollen Druck auf Arbeitgeberverbände machen

Auf den Baustellen im Landkreis Göppingen könnten sie bald stillstehen: „Bagger, Kräne, Betonmischer – alle im ‚Ruhemodus‘. Das droht, wenn der Bau in den Streik rutscht“, warnt Jürgen Ziegler. Der stellvertretende Bezirksvorsitzende der IG BAU Nordwürttemberg spricht von einer „extrem heiklen Phase für die Bauwirtschaft im Kreis Göppingen“. Grund sei das drohende Platzen der Tarifrunde im Bauhauptgewerbe. „Drei Verhandlungstreffen haben die Arbeitgeber scheitern lassen. Jetzt liegt ein Schlichterspruch auf dem Tisch. Aber Bauhandwerk und Bauindustrie machen bislang keine Anstalten, den Kompromiss zu akzeptieren. Wenn sie als Dauer-Nein-Sager weiter auf stur schalten, dann gibt es einen Bau-Streik. Und der wird auch im KreisGöppingen richtig weh tun“, so Jürgen Ziegler.

Hängepartie: Der Bau in Feierabendstimmung. Ein Bild, an das sich der Kreis Göppingen vielleicht auch tagsüber gewöhnen muss. Denn auf dem Bau liegt ein Streik in der Luft … (Foto: IG BAU Tobias Seifert)

Insgesamt gibt es nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit 189 Bauunternehmen im Landkreis Göppingen. Aktuell arbeiten dort mehr als 4.800 Beschäftigte. „Noch jedenfalls“, so Ziegler. Denn der stellvertretende Bezirksvorsitzende der IG BAU Nordwürttemberg erwartet eine „regelrechte Fachkräfte-Flucht“ von den Baustellen: „Wenn nicht mehr in die Lohntüten kommt, dann sind die Leute ruckzuck weg. Viele werden dem Bau den Rücken kehren.“ Denn wer auf dem Bau arbeite, der finde überall schnell einen neuen Job. „Das Problem dabei: Wer einmal geht, der kommt nicht wieder auf den Bau zurück“, macht Jürgen Ziegler deutlich.

Um das „noch in letzter Minute zu verhindern“, müssten die Bauunternehmen im Kreis Göppingen ihren eigenen Verbänden von Bauhandwerk und Bauindustrie jetzt „gehörig auf die Füße treten“: „Es steht Spitz auf Knopf. Entweder die Arbeitgeber nehmen den Schlichterspruch an oder der Bau steht still – und wird dann auch nicht wieder richtig auf die Beine kommen“, warnt Ziegler.

Die Gewerkschaft spricht von einer „Schicksalsstunde für den Bau“. Bauhandwerk und Bauindustrie in Baden-Württemberg hätten es jetzt in der Hand, „die Notbremse zu ziehen“. Viel Zeit bleibe ihnen dafür allerdings nicht mehr: Die Branche brauche ein schnelles Ja zum Schlichterspruch – und damit ein Signal, dass „der massive Lohnverlust, den die Inflation verursacht hat, endlich aufgefangen wird“.

Mit dem ehemaligen Präsidenten des Bundessozialgerichts, Rainer Schlegel, habe ein erfahrener Schlichter eine klare Empfehlung gegeben: Bauarbeiter sollen demnach ab Mai mindestens 250 Euro pro Monat mehr bekommen. In einem Jahr würden die Löhne dann um weitere 4,15 Prozent steigen. Außerdem sollen die Azubis auf dem Bau im Kreis Göppingen beim Start ihrer Ausbildung bereits 1.080 Euro pro Monat verdienen. „Das ist ein Paket, mit dem der Bau attraktiver wird. Und zwar so, dass er seine Leute halten und Nachwuchs gewinnen kann“, macht der stellvertretende IG BAU-Bezirksvorsitzende Ziegler deutlich. Außerdem erwarte der Schlichter ein Anziehen der Baukonjunktur. Er geht, so die IG BAU, von einem Aufschwung beim Wohnungsbau aus: Die Zahl der dringend benötigten Wohnungen werde in den nächsten Jahren zu einer „deutlichen Steigerung“ der Aufträge und Umsätze im Bereich des Hochbaus führen“, so Bau-Schlichter Schlegel. Eine Trendwende beim Wohnungsbau sei „sehr wahrscheinlich“.